Von Tromsø aus ging es dann weiter und nach ein paar Stops in kleineren Häfen erreichten wir die Nordkap-Gemeinde Honningsvåg. Hier stiegen wir in Busse, nach Sprachen sortiert. Wir hatten eine junge norwegische Reiseleiterin, die uns auf der etwas über 30 Kilometer langen Fahrt zum Nordkap überraschend viel über die karge Landschaft und das Nordkap erzählen konnte. Noch in Honningsvåg überquerten wir genau an der nördlichsten Tankstelle (die ist ausnahmsweise nicht in Tromsø!) den 71. Breitengrad, auf dem auch das Nordkap liegt. Die winterliche Landschaft hatte schon was mystisches, vor allem wenn die Sonne hier und da durch die Wolken schien und ein fast unheimlich diffuses Licht erzeugte. Leider konnten wir keinen Fotostop machen, da wir etwas unter Zeitdruck standen.

 

Nur im Konvoi

Der Zeitdruck entstand dadurch, dass wir zu einer bestimmten Zeit an einer Straßenkreuzung sein mussten. Denn auf den letzten zehn Kilometern hinauf zum Nordkap darf, zumindest im Winter, kein Fahrzeug alleine unterwegs sein. Daher gibt es für die Fahrt zum und vom Nordkap bestimmte Zeiten. Dann versammeln sich die Fahrzeuge hinter einem Schneeräumer und am Ende fährt dann auch noch ein Servicefahrzeug. Das Bild unten ist ein Schnellschuss aus dem Bus und zeigt die Strasse hoch zum Nordkap.

Die Nordkapstraße

Die Nordkapstraße

Oben angekommen war der erste Weg natürlich zum Globus auf dem Plateau, dem Ziel jedes Nordkap-Reisenden. Am nördlichsten Punkt Kontinental-Europas zu stehen, näher am Nordpol als an zu Hause zu sein, das hat schon was. Trotz Schneetreibens haben ich die Atmosphäre dort ziemlich lange auf mich wirken lassen. Klingt jetzt vielleicht blöd, aber es war schon ein erhebendes Gefühl.

Der Globus am Nordkap

Der Globus am Nordkap

Nordkap der nördlichste Punkt?

Eindeutig nein! Das Nordkap ist wahrscheinlich aber der nördlichste Aussichtspunkt. Denn das Nordkap liegt nicht auf dem Festland sondern auf der Insel Magerøya. Und selbst dort gibt es einen Punkt, der noch 1400 Meter nördlicher ist, nämlich die Landzunge Knivskjellodden. Diese Landzunge taugt aber nicht für Normaltouristen wie mich, sondern muss über einen acht Kilometer langen Pfad mühsam erwandert werden.

Der wirklich nördlichste Punkt des europäischen Festlandes heiß Kinnarodden und liegt östlich des Nordkaps. Aber ich will jetzt nicht weiter klugscheißen, für mich fühlte es sich an als wäre ich ganz im Norden gewesen. Wenn man ein paar tausend Kilometer von zu Hause weg ist, spielen solche Unschärfen keine Rolle 🙂

Der nördlichste Punkt auf Magerøya

Der nördlichste Punkt auf Magerøya

Aber auf dem Plateau gibt es nicht nur den Globus, sondern es gibt auch nahezu unendliche Weite, die einem fast das Gefühl gibt, alleine auf der Welt zu sein. Und wenn dann auch noch die Sonne rauskommt, dann ist der Tag perfekt. Ich musste deshalb auch nochmal zurück zum Globus und der bei Sonnenschein in die Ferne schauen.

Auf dem Nordkapplateau

Auf dem Nordkapplateau

Irgendwann war es dann aber doch Zeit zum Aufbruch. Ausgestattet mit reichlich Souvenirs ging es wieder in die Busse. Alle Fahrzeuge versammelten sich wieder hinter dem Schneeräumer um im Konvoi ins Tal zu fahren. Unsere Reisebegleiterin sang für uns noch eine Strophe aus einem norwegischen Willkommenslied und unten am Schiff in Honningsvåg sang sie uns zu Abschied noch ein Lied über den Ort. Einfach schön, dieser Tag.

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Lothar Hahn

mein Name ist Lothar, Jahrgang 1955, Schwabe mit Leib und Seele. Ich bin gern unterwegs, interessiert an Kunst und Kultur, der Fotografie, dem Computer und an Fußball.

Hier will ich Geschichten von unterwegs schreiben. Sehenswertes, Kulturelles, Interessantes und Spannendes.

Viel Spaß beim Lesen!

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